"Unser Sohn ist ein großer Jaeger", sagte der alte Koenig. "Er reitet alle
Tage mit der Armbrust in den Wald. Aber er bringt nie ein Wild zurueck,
soviel er auch erlegt; denn er schenkt alles, was er schiesst, den armen
Leuten. Es ist ein sehr guter Mensch!"

So sagte der alte Koenig zur Koenigin. Doch die Rehe im Walde dachten
etwas ganz anderes. Sie hatten gar keine Furcht vor Heino; denn sie
kannten ihn schon lange und wussten, dass er ihnen nichts zuleide tat.
Er ritt ja immer nur durch den Wald hindurch bis an das Waldende; und
am Waldende stand ein kleines Haeuschen, fast ganz zugedeckt von
Baeumen und Gestraeuch, und Fenster und Haustuere fast ganz
zugewachsen von Efeu und Geissblatt. Vor der Tür aber stand
Blauaeuglein, und wenn sie den Koenigssohn kommen sah, leuchteten
ihre grossen blauen Augen vor Freude wie zwei Sterne und beschienen
ihr ganzes Gesicht. --

Doch Heino brachte immer und immer kein Wild nach Hause und wollte
stets allein reiten; und wenn sein Vater mit ihm ritt, traf er nichts. Da
merkte der alte Koenig wohl, dass es etwas Besonderes mit dem Jagen
sein muesse. Er liess einen Diener heimlich Heino nachschleichen, und
der erzaehlte ihm alles. Da fuhr es ihm in die Krone, und er ward sehr
zornig; denn Heino war sein einziger Sohn, und er gedachte ihn mit der
Tochter eines maechtigen Koenigs zu vermaehlen. Er rief daher zwei
Jaegerknechte, zeigte ihnen einen Klumpen Goldes, so gross wie ein
Kopf, und versprach, ihnen denselben zu schenken, wenn sie
Blauaeuglein umbringen wuerde.


Aber Blauaeuglein hatte eine schneeweiße Taube, die saß jeden Tag auf
dem hoechsten Baeume im Walde und sah nach dem Schloss. Wenn
Heino zu Pferde stieg, um zu Blauaeuglein zu reiten, flog sie schnell
voran, schlug mit den Fluegeln gegen das Fenster und rief:

"Es rascheln die Zweiglein,
Es kommt was geschritten,
Herzliebstes Blauäuglein,
Es kommt was geritten!"

Dann stellte sich Blauaeuglein vor die Haustuere und wartete, bis Heino
kam.

Als nun die weisse Taube die beiden Jägerknechte gegen Abend nach
dem Walde schleichen sah, ahnte ihr nichts Gutes. Sie flog eilends zum
Schloss an Heinos Fenster, schlug gegen die Scheiben, bis er kam und
ihr aufmachte, und sagte ihm alles, was sie gesehen hatte. Da stuerzte
er atemlos in den Wald, und als er bei dem kleinen Haeuschen ankam,
hatten schon die Jaegerknechte Blauaeuglein gebunden und
ratschlagten, wie sie es toeten sollten. Da schlug er ihnen die beiden
Haeupter ab, trug sie nach Haus und setzte sie seinem Vater vor die
Kammer auf die Schwelle.

Der alte Koenig aber konnte die ganze Nacht nicht schlafen, sondern
hoerte fortwaehrend ein leises Wimmern und Stoehnen vor seiner Tuer.
Als der Morgen graute, stand er auf und sah nach, was es wäre. Da
standen die beiden Köpfe der Jägerknechte auf der Schwelle, und
zwischen beiden lag ein Brief von Heino, in dem stand geschrieben, daß
er nichts mehr weder von Vater noch Mutter wissen wolle, und daß er
sich jedwede Nacht vor Blauäugleins Haus auf die Schwelle legen würde
mit dem nackten Schwert auf dem Schoß. Wer da käme, ihr ein Leid zu
tun, dem schlüge er das Haupt ab, wie er es den beiden Jägerknechten
getan, und wenn's der König selbst wäre.

Als der alte Koenig dies gelesen, ward er sehr betreten. Er ging zur
Koenigin und erzaehlte ihr alles. Diese aber schalt ihn aus, dass er
Blauaeuglein habe wollen umbringen lassen, und sagte: "Du hast alles
verdorben! Wer wird nur immer gleich alles totmachen wollen! Ihr
Maenner seid doch gar zu schlimm, einer wie der andere! Stets heisst
es: biegen oder brechen. Da sind von dir heute sechs Hemden aus der
Waesche gekommen, da fehlen wieder an allen sechsen die
Hemdkragenbaender. Wo sind sie hin? Abgerissen hast du sie wieder,
weil du sie verknotet hast, anstatt sie mit Geduld aufzuknuepfen. Und
Heino ist geradeso wie du. Nun soll ich's wieder gutmachen!"

"Schon gut, schon gut", erwiderte der Koenig, der wohl fuehlte, dass die
Koenigin recht hatte, "sei nur ruhig und hoere auf zu schelten; davon
wird's auch nicht besser."

Und die Koenigin warf sich die Nacht ueber unaufhoerlich im Bette hin
und her und ueberlegte sich, was sie tun wolle. Soblad es hell ward, ging
sie auf den Anger und grub ein Kraut heraus, das war giftig und hatte
schwarze Beeren. Darauf ging sie in den Wald und pflanzte es gerade an
den Weg.

Als sie zurueckkam, fragte sie der König, was sie gemacht habe. Da
antwortete sie: "Ich habe ihm ein Kraut in den Weg gepflanzt, darauf
waechst eine rote Blume; wer sie bricht, muss sein Liebstes vergessen."


Am naechsten Morgen, als Heino durch den Wald ging, stand das Kraut
am Wege und hatte eine schoene rote Blume getrieben, die funkelte in
der Sonne und duftete so stark, dass ihm fast die Sinne vergingen.
Aber obschon es über Nacht stark getaut hatte, so waren doch das
Kraut sowohl als die Blume ganz trocken. Da sagte er:

    "Was ist das für ein Kraut,
    ein Kraut, worauf's nicht taut?"

Da antwortete die Blume:

    "Ein Kraut, das niemand find't,
    als nur ein Königskind!"

Darauf fragte er wieder:

    "Und wenn ich dich nun braech',
    du Blum' an meinem Weg?"

Und die Blume erwiderte:

    "So blüht' ich noch viel schöner,
    du stolzer Königssohn!"

Da konnte er sich nicht halten und pflückte die Blume; und als er das
getan, hatte er sein Liebstes vergessen und ging zu seinen Eltern ins
Schloss.

Als ihn seine Mutter kommen sah, hatte er die rote Blume am Wams
stecken. Da wusste sie, dass alles gelungen sei, und rief den Koenig.
Der ging seinem Sohne entgegen, brachte ihm einen goldenen Helm und
eine goldene Ruestung und sprach: "Ich bin alt und schwach; geh in die
Welt und sieh zu, wie's draussen aussieht. Wenn du nach zwei Jahren
zurueckkehrst, will ich dir das Koenigreich geben."

Darauf waehlte sich Heino dreissig Knappen aus, zog mit ihnen von
einem Koenigreich in das andere und besah sich die Herrlichkeit der
Welt. --

Als aber Heino nicht wiederkam, merkte Blauaeuglein wohl, dass er sie
verlassen habe. Jeden Morgen schickte sie die weisse Taube aus, die
musste so lange in der Welt herumfliegen, bis sie Heino gefunden. Und
jeden Abend kam die weisse Taube wieder und sagte Blauaeuglein, wo
Heino waere und wie es ihm ging:

    "Was macht mein lieber Held,
    mein junges Koenigsblut?"

Und die Taube antwortete:

    "Er faehrt in alle Welt
    Und hat gar stolzen Mut!"

    "Hat er noch mein vergessen
    Und denkt er nimmer mein?"

    "Er hat dein noch vergessen,
    Beim Trinken und beim Essen,
    Bei Regen und Sonnenschein!" -

Zwei Jahre waren schon vergangen, da kam die weisse Taube eines
Abends auch wieder zurueck und hatte einen Blutfleck am Flügel.

Da fragte Blauaeuglein:

    "Was macht mein lieber Held,
    Mein junges Koenigsblut?"

Da sah sie den Blutfleck am Fluegel und wurde sehr traurig. "Ist er tot?"
fragte sie.

    "Wollte Gott, wollte Gott,
    Dass er waere tot!"

gurrte die Taube.

    "Im Irrwischsumpf, da ist er ertrunken,
    Im Irrwischsumpf, da ist er versunken.
    Wo das Schilfgras waechst,
    Da liegt er verhext,
    Dass Gott erbarm',
    In der Irrwischkoenigin weissem Arm!"

Da hiess Blauaeuglein die weisse Taube sich auf ihre Schulter setzen,
damit sie ihr den Weg wiese, und machte sich auf, Heino zu suchen.

Nachdem sie drei Tage gewandert war, kam sie an den Irrwischsumpf,
wo Heino verzaubert lag. Sie setzte sich still an den Weg und wartete,
bis es Abend wurde. Als es dunkel ward, bezog sich der Himmel, und die
Wolken jagten. Prasselnd schlug der Regen in das Erlen-gebuesch; und
nicht lange, so sah sie fern im Sumpf die ersten blauen Flaemmchen
aufsteigen. Da schuerzte sie sich ihre Roecke, stieg beherzt hinab in das
Schilfgras und wanderte vorwaerts, unverrueckt nach den Irrlichtern
schauend. Es war ein beschwerlicher Weg; denn sie sank bald bis ueber
die Knoechel ein, der Wind peitschte ihr das Haar um die Schultern, dass
sie stehenbleiben musste, um es in einen grossen Knoten im Nacken
zusammenzuschuerzen, und der Regen lief ihr ueber die Wangen. Aber
der Sumpf wurde immer tiefer, und die blauen Flaemmchen, welche in
immer groesserer Zahl an allen Orten hervorstiegen, schienen sie aeffen
zu wollen. Denn wenn es eine Zeitlang den Anschein gehabt, als wenn
sie stillstaenden oder gar ihr entgegenkaemen, so dass sie schon hoffte,
sie bald zu erreichen, so schwebten sie doch bald wieder bis zur Mitte
des Sumpfes zurueck oder verloeschten ploetzlich, um an einer
entfernteren Stelle wieder aufzusteigen. Sie sank jetzt schon bis fast an
die Knie ein und konnte nicht mehr wie zwei oder drei Schritte
hintereinander tun, ohne sich auszuruhen. Da hoerte das Unwetter auf,
die schmale Mondsichel trat zwischen den Wolken heraus, und vor ihr,
inmitten einer grossen dunklen Lache, erhob sich das verzauberte
Schloss der Irrwischkoenigin.

Weisse Stufen fuehrten aus dem totstillen Wasser in eine grosse,
offenstehende Halle, welche von vielen Saeulen von blauem und gruenen
Kristall mit goldenen Knaeufen getragen wurde, und in buntem Gewirr
tanzten in dieser Halle eine unzaehlbare Menge von Irrlichtern um ein
besonders hell flackerndes, hoch aus ihrer Mitte hervorschwebendes
Flaemmchen herum. Da loesten sich ploetzlich aus dem Gewuehl eine
Anzahl Irrlichter ab und bildeten zwei Kreise, die wirbelnd aus der Halle
hervorstuerzten. Und waehrend der eine von ihnen dicht vor den Stufen
des Schlosses stehenblieb, naeherte sich der andere rasch, und bald
erkannte Blauaeuglein zwoelf blasse, aber wunderschoene Jungfrauen,
welche auf der Stirn goldene Diademe trugen, an denen sich vorn kleine
goldene Schalen erhoben, worin die blauen Flaemmchen brannten. In
wildem Tanze schwebten sie an Blauaeuglein heran und umringten sie;
und waehrend aus dem Schlosse eine zauberische Musik erklang,
sangen sie:

    "In den Reihn,
    In den Reihn,
    Holde Schwester, Blauaeuglein, herein!

    In dem Schloss,
    In dem Schloss,
    Da winkt dir ein suesser Genoss!

    Sieh, wie's blinkt!
    Wie er winkt,
    Wie er gruesst, wie er gruessend dir winkt!
    Vergiss, was du liebtest auf Erden,
    Der Unseren eine zu werden!"

Aber Blauaeuglein sah die Geister mit ihren großen klaren Augen ruhig
und unverwandt an und sagte: "Ihr habt keine Macht ueber mich! Ob ich
wieder lebendig aus dem Sumpfe komme, weiss Gott im Himmel allein;
wenn ich aber auch sterben muss, so werdet ihr mich doch nicht in
euere Gewalt bekommen!"

Da flohen die Jungfrauen nach allen Richtungen tief in den Sumpf
zurueck. Statt ihrer aber schwebte der zweite Kreis Irrlichter heran, der
bis dahin vor den Stufen des Schlosses hin und her getanzt hatte. Das
waren zwoelf wunderschoene, aber totenblasse Knaben, ebenfalls mit
blauen Flaemmchen über den Stirnen. Sie bildeten einen Kreis um
Blauaeuglein und tanzten langsam um sie her, indem sie abwechselnd
ihre weissen Arme hoch über ihre Haeupter erhoben und rueckwaerts
nach dem Schlosse zeigten. Und besonders einer von ihnen naeherte
sich immer wieder Blauaeuglein, als wenn er sie umfassen wollte; und
wie sie ihn genauer ansah, so war es Heino.

Da zuckte es ihr durchs Herz, als wenn sie ein eiskaltes Schwert
durchfuehre, und sie schrie laut: "Heino, Gott steh dir bei in deiner
grossen Not!"

Kaum hatte sie dies ausgerufen, so fuhr ein heftiger Windstoss ueber
den Sumpf, und die Lichter der Irrwische verloschen. Die stille Flaeche
der Lache kraeuselte sich, und schwarze Wellen schlugen an den
weissen Stufen des Schlosses empor. Dann sank das Schloss lautlos in
die Tiefe, und an seiner Stelle standen vier Pfaehle von faulem Holz, die
Ueberreste einer alten heidnischen Fischerhuette. Vor Blauaeuglein aber,
im tiefen Sumpf bis an den Guertel eingesunken, stand Heino, leibhaftig,
wie er gewesen war, aber blass und traurig. Die Haare hingen ihm wirr
auf die Stirn, und Helm und Harnisch waren verrostet.

    "Bist du es, Blauaeuglein?" fragte er wehmütig.
    "Ja, Heino, ich bin's."
    Lass mich", erwiderte er, "ich bin ein verlorener Mann!"

Doch sie gab ihm die Hand und sprach ihm Mut ein; und er versuchte
einige Schritte vorwaerts zu kommen. Dann blieb er stehen und sagte:

    "Blauaeuglein, ich versinke;
    Blauaeuglein, ich ertrinke!"

Doch sie hielt ihn nur fester und entgegnete:

    "Nein, Heino, du versinkst nicht!
    Nein, Heino, du ertrinkst nicht!
    Halt dich an mir nur fest,
    So wirst du doch erloest!"

So half sie ihm Schritt für Schritt vorwaerts und immer wieder blieb er
stehen und sprach:

    "Blauaeuglein, ich versinke;
    Blauaeuglein, ich ertrinke!"

Umd immer wieder troestete sie ihn und sagte:

    "Nein, Heino, du versinkst nicht!
    Nein, Heino, du ertrinkst nicht!
    Halt dich an mir nur fest,
    So wirst du doch erloest!"

Mit unsaeglicher Muehe waren sie endlich so weit gekommen, dass sie
von fern schon das Ende des Sumpfes und die Strasse sahen. Da blieb
Heino ganz stehen und rief: "Ich kann nicht weiter, Blauaeuglein! Geh du
allein zurueck und gruess mein Muetterchen. Du kommst wohl heraus,
denn du sinkst ja nicht tief ein; aber mir geht's fast bis ans Herz." Dabei
wandte er sich um und blickte nach der Staette zurueck, wo das Schloss
versunken war.

"Sieh dich nicht um!" rief Blauaeuglein aengstlich. Aber sie hatte kaum
Zeit gehabt, dies auszurufen, als auch schon von der Mitte des

Sumpfes ein einzelnes blaues Flaemmchen auf beide zugeschwebt kam.
Es naeherte sich rasch, und die Koenigin der Irrwische stand vor ihnen.

Sie hatte einen Kranz von weißen Wasserrosen auf dem Haupte, und ihr
Diadem war eine goldene Schlange, welche sich leise durch ihr Haar und
um ihre Stirn bewegte. Mit ihren gluehenden Augen schaute sie Heino
an, als wollte sie ihm bis ins Herz sehen. Dann legte sie ihm die Hand

auf die Schulter und bat flehend: "Komm zurueck, Heino!" Und er stand
und sah sie an und schwankte unstet.

Da riss Blauaeuglein ihm das Schwert von der Seite und schwang es
gegen die Irrwischkoenigin. Doch die Irrwischkoenigin laechelte und
sprach: "Toerichtes Kind, was willst du mir tun? Ich bin nicht von Fleisch
und Blut." Und sie fasste Heino und zog ihn mit Gewalt an sich, dass
ihre schwarzen Locken ueber sein Gesicht fielen. Da rief Blauaeuglein in
ihrer Herzensangst: "Und bist du nicht von Fleisch und Blut, du
entsetzliches Weib, so ist es doch dieser hier, den ich aus deinen
Haenden erretten will!" Und sie zueckte das Schwert noch einmal mit
aller Kraft, und wie die Irrwischkoenigin noch einen Versuch machte,
Heino, dessen rechte Hand sie erfasst hatte, mit sich fortzureissen, rief
sie: "Heino, es tut nicht weh!" und schlug ihm mit einem Schlage den
Arm dicht am Handgelenk ab.

Da verlosch auch die Flamme auf dem Haupte der Koenigin, und sie
selber zerrann wie ein Nebelbild; die weisse Taube aber, die bisher auf
der Schulter von Blauaeuglein gesessen, flog auf die Schulter Heinos.

"Nun bist du erloest, Heino!" rief Blauaeuglein, als sie dies sah. "Komm,
es ist nicht mehr weit zur Strasse; nimm deine letzten Kraefte
zusammen. Sieh, du sinkst gar nicht mehr tief ein."

Und sie gingen weiter, aber immer noch blieb Heino oft stehen und
sprach:

    "Blauäuglein, mein Arm brennt sehr!"

Doch sie erwiderte:

    "Heino, mich schmerzt's noch mehr!"

Aber das letzte Stueck musste sie ihn fast tragen, und als er den
letzten Schritt aus dem Sumpfe getan, sank er todmuede auf die
Strasse nieder und schlief ein. Da nahm sie ihren Schleier und verband
ihm den Arm, so dass er aufhoerte zu bluten. - Als sie sah, dass er still
und ruhig schlief, zog sie sich den Ring, den er ihr geschenkt, vom
Finger, steckte ihm denselben an die Hand und machte sich auf den
Heimweg.

Sobald sie angekommen war, ging sie zum alten Koenig und sagte zu
ihm, indem sie ihn freudig mit ihren grossen blauen Augen anblickte:
"Ich habe Euren Sohn erloest; er wird bald zu Euch zurueckkehren.
Behuet Euch Gott, mich seht Ihr nimmer wieder."

Da zog sie der alte Koenig an sein Herz und sprach: "Blauaeuglein,
meine Tochter, du kannst eine Krone tragen so stolz wie ein
Koenigskind! Wenn du ihm verzeihen willst und einen Einarmigen zum
Manne nehmen, so sollst du seine Koenigin sein dein Leben lang."

Als er dies gesagt, oeffnete er die Tuere, und herein trat Heino und
schloss Blauaeuglein in seine Arme. Da war grosse Freude im ganzen
Land, und alle Leute wollte das schoene fromme Maedchen sehen,
welches den Koenigssohn errettet hatte.  

Als sie jedoch vor dem Altare standen und die Ringe wechseln sollten,
vergass Heino, dass ihm die rechte Hand fehlte, und er streckte dem
Priester den Stumpf hin. Da geschah ein Wunder; denn als der Priester
den Stumpf beruehrte, wuchs aus ihm eine neue Hand hervor, wie eine
weisse Blume aus einem braunen Ast. Aber um das Handgelenk lief ein
feiner roter Streif, schmal wie ein Faden, herum. Den behielt er sein
ganzes Leben.

Quelle: Richard von Volkmann-Leander, Träumereien an französischen Kaminen, Leipzig
1871, Nr. 11
"Our son is a great hunter," said the old king. "Every day he rides out
into the woods with his crossbow. But he never brings an animal home,
although he shoots many. He gives everything he shoots to the poor.
He is a very kind person!"

Such are the words the king used when he talked with his wife. But the
deer in the woods thought quite differently. They were not at all afraid
of Heino; for they had known him for a long time and knew that he
would not harm them. He would always ride to the far end of the woods
where there was a little cottage that was almost completely hidden by
trees and bushes, and its windows and door were overgrown with ivy
and honeysuckle. At the threshold stood Little Blueeyes and when she
saw the king's son approaching, her big blue eyes shone with glee like
two stars and lit up her whole face.—


But Heino would always come home empty-handed and he always
wanted to ride alone. When his father went out with him he would
always shoot askance. It was then that the old king noticed that there
was something strange about his son's behavior. He had one of his
servants pursue Heino secretly and the servant told him what his son
was doing. The king was beside himself and flew into a rage, for Heino
was the king's only son and the king had high hopes for him to marry
the daughter of some other mighty king. Then he called for two
huntsmen from among his servants, laid a clump of gold about the size
of a man's head before them and said it would be theirs if they would
murder Little Blueeyes.

But Little Blueeyes had a snow-white dove that would sit all day long on
the highest tree in the woods and it could see the castle. When Heino
mounted his horse to ride to Little Blueeye's cottage the dove would fly
quickly in advance and beat its wings on the window pane and call:

"A rustling in the branches
Someone a'coming,
Sweet Little Blueeyes,
Riding on a horse!"

Then Blueeyes would be waiting at the door for Heino to arrive.


When the white dove saw the King's hunters one evening prowling
around in the woods it sensed trouble. It flew to the castle and beat
against Heino's window panes until he came and opened, and it told him
everything it had seen. Heino ran to the woods as fast as his legs
would take him until he came to the little hut where the servants had
already bound Blueeyes and were deciding how they would kill her. Then
Heino cut off the heads of both servants and carried them  back to the
castle and laid them on the threshold of his father's bed chamber.


The old king could not sleep that night and kept hearing a soft wining
and moaning the whole time outside his door. When daylight came he
got up and saw what was there. The heads of both servants were on
the threshold and between them a letter from Heino in which he wrote
that he no longer wanted to have anything to do either with his father
or mother, and that every night he would be lying in wait at Blueeye's
doorstep with his unsheathed sword on his lap. Anyone who would
come with the intent to harm her, even if it were his own father, would
be beheaded, just like he had beheaded the two servants.


When the old king read that he was bewildered. He went to the queen
and told her everything. But she reprimanded him for wanting to have
Blueeyes murdered and said: "You have spoiled everything! What do
you mean with your murdering? Men are such awful creatures, every
one of you! Your motto is: bend or break. Today there are six shirts of
yours that came back from the laundry and on each of them the collar
bands are missing. Where are they? You tore them off because you
tied knots in them instead of having the patience to untie them. And
Heino is just like you. And I am the one who is supposed to set things
right!"

"Alright, alright," replied the king who knew that the queen was right,
"just calm down and stop reprimanding me. It doesn't help matters at
all."

And the queen lay in her bed that night and kept turning from side to
side, thinking about what she should do. As soon as it was daylight she
went to the village green and dug out a weed that had poisonous black
berries on it. Then she went into the woods and planted it along the
path.

When she returned the king asked her what she had been doing. She
told him: "I have planted a weed for him along the path from which a
red flower will sprout; whoever plucks it will have to forget the person
he loves."

Next morning when Heino was walking in the woods he saw the weed
there beside the path. It had already blossomed into a red flower that
shone in the sunlight and had such a strong scent that he almost
fainted. Although there had been a heavy dew overnight, both the
weed and the flower were completely dry. Then Heino said:

    "What weed is that,
    on which nothing thaws?

The flower answered:

    "A weed no one can find
    but a king's child!"

After that he asked again:

    "And if I would pick you now,
    you flower on my path?"

And the flower answered:

    "Then I would bloom lovelier yet,
    you proud king's son!"

But he could restrain himself any longer and picked the flower; and
when he had done that he forgot Blueeyes and went back to his
parents in the castle.

When his mother saw him coming she noticed that he had the red
flower stuck on his jacket. Then she knew that everything had gone as
planned and she called for the king. He went out to meet his son,
brought him a golden helmet and gilded suit of armor and said: "I am
now old and weak; go out into the world and learn what it has to teach
you. When you return in two years I want to give you my kingdom.

So now Heino chose thirty servants and traveled with them from one
kingdom to the other and saw the splendor of the world.—


But when he failed to return, Blueeyes knew that he had abandoned
her. Every morning she sent the white dove out that had to fly around
in the world for as long as was necessary to find Heino. And every
evening the white dove would return and tell Blueeyes where Heino was
and how he was getting along:

    "What is my dear hero doing,
    my youngster of royal blood?"

And the dove answered:

    "He travels far and wide
    rides with courage with pride!"

    "Am I forgotten now
    no longer on his mind?"

    "He has forgotten you,
    only eats and drenks,
    come rain, come shine!"—

And now after two years had gone by and the white dove came back
one evening and had a spot of blood on its wing.

Then Blueeyes asked:

    "What does my hero dear,
    my youngster of royal blood?"

She saw the spot of blood on the dove's wing and was overcome with
sadness. "Is he dead?" she inquired.

    "Better God had wished,
    that he were dead!"

cooed the dove.

    "In Irrwisch swamp, he lies drowned,
    in Irrwisch swamp, he sunk down,
    Where the reeds grow,
    there he lies bewitched,
    God have mercy,
    in the white arms of the Irrwisch queen!"

Blueeyes told the white dove to sit on her shoulder and show her the
way, and they set out to find Heino.

After a three day journey they reached the Irrwisch swamp where Heino
lay under a spell. Blueeyes sat down on the path and waited there until
it was evening. When it began to get dark the heavens closed over and
clouds were brushed away. Rain pattered down on the alder bushes
and it was not long before she saw the first blue flames rising from the
swamp. She gathered up her skirts, walked dauntlessly in among the
reeds and kept moving forward, her eyes on the ghostly lights. The
going was difficult for she sank ankle-deep into the mud. The wind blew
her hair around her shoulders and she had to stop and tie it in a knot
and throw it back over her shoulder as the rain was running off her
face. But the swamp kept getting deeper and deeper and the blue
flames that came up on all sides seemed to be making fun of her. When
it appeared as if they were standing still or even coming towards her,
making her think she could reach them easily, they would shift back out
to the middle of the swamp or suddenly disappear only to surface again
at a more distant place. Now she sank in almost up to her knees and
could not advance more than two or three steps at a time before
having to stop and rest. Then the  storm let up, the thin moon sickle
showed itself between the clouds, and in front of her, in the middle of a
great dark pool, there rose up the miraculous castle of the Queen
Irrwisch.



White stairs led from the hushed silent waters to a great open hall
which was set on many blue and green crystal pillars topped with
golden knobs, and in this hall in colorful confusion a countless number
of ghostly lights were dancing around a bright flickering flame that rose
high up from its center. Suddenly a number of these lights separated
from the mass and formed two circles that rushed from the hall in a
whirling motion. And while the one stopped right before the stairs of
the castle, the other approached quickly, and soon Blueeyes recognized
twelve pale but gorgeous virgins wearing golden diadems above the
foreheads on which small golden bowls were fixed with blue flames
flickering inside. In a wild dance they came and hovered around
Blueeyes and as a magic music sounded from inside the castle they
sang:



    "Enter in,
    Enter in
    Noble sister, Blueeyes, come in!

    Inside the castle
    inside the castle
    beckons a dear friend!

    See how it blinks!
    How he waves,
    how he greets, hand held high!
    Forget what you loved on earth,
    come, be one of us!"

But Blueeyes looked at the ghosts with her big clear eyes without
flinching and said: "You have no power over me! Only God in heaven
knows if I will return alive from this swamp; but even if I must die, you
will not bring me under your sway!"


The virgins fled in all directions back to the swamp. In their stead the
second group of ghostly lights floated over that had been dancing back
and forth on the stairs in front of the castle. The group  was made up
of twelve splendid but deathly pale boys who likewise had blue flames
over their foreheads. They formed a circle around Blueeyes and danced
slowly around her while at the same time lifting their white arms
alternately over their heads and pointing back to the castle. There was
one of them who kept coming up to Blueeyes as if he wanted to
embrace her; and when she could look closer at him she saw that it was
Heino.

Her heart stopped suddenly as if an ice-cold sword had been thrust
through it, and she cried out loud: "Heino, God be with you in your
great distress!"

Hardly had she shouted that when a blast of wind blew over the swamp
and the lights of the Irrwischs went out. There were ripples surface of
the pond and black waves hit up against the white stairs of the castle.
Then the  castle sank noiselessly into the deep and in its place stood
four poles of rotten wood which were the ruins of an old heathen
fishermen's cottage. But in front of Blueeyes, sunken into the swamp
up to his waist stood Heino, alive, as she had known him, but pale and
sad. His hair hung tangled on his forehead, his helmet and armor were
rusted.

    "Is that you, Blueeyes?" he asked wistfully.
    "Yes, Heino, it is I."
    "Just let me be," he replied, "For me there is no hope!"

But she gave him her hand and spoke words of courage to him; and he
tried to take a few steps in her direction. Then he stopped and said:

    "Blueeyes, I am sinking;
    Blueeyes, I am drowning.

But she held him all the tighter and answered:

    "No, Heino, you will not sink!
    No, Heino, you will not drown!
    Hold on to me tightly,
    And you will be saved!"

In this way she helped him to move forward, but again and again he
would stop and say:

    "Blueeyes, I am sinking;
    Blueeyes, I am drowning!"

And time and again she would console him saying:

    "No, Heino, you will not sink!
    no, Heino, you will not drown!
    Hold on to me tightly,
    and you will be saved!"

And finally, with untold effort, they advanced so far that they could see
the end of the swamp and the road in the distance. But Heino remained
where he was and called out: "I can come no farther, Blueeyes! You go
back alone and tell my dear mother. You will be able to get out, for you
are not in so deep; but I am in almost up to my heart." Then he turned
around and looked at the place where the castle had gone under.


"Do not turn to look!" shouted Blueeyes anxiously. But she

hardly had time to shout this when from the middle of the swamp a
single blue flame came gliding toward them. It approached swiftly and
the Queen of Irrwisch stood before them. She had a crown of white
water roses on her head and her diadem was a golden serpent that

was twisting gently in her hair and around her forehead. With her
glowing eyes she looked at Heino as if she wanted to look right into

his heart. Then she put her hand on his shoulder and pleaded
insistently: "Come back, Heino!" And he stood there looking at her

and swayed this way and that.

Blueeyes drew his sword from its sheath and swung it at the Queen.
But she laughed and said: "Foolish child, what are you trying to do? I
am not of flesh and blood." And she grabbed Heino and pulled him
violently to herself so that her black locks fell over his face. Blueeyes,
frightened as she was, shouted: "Even if you are not of flesh and
blood, you horrible woman, I will save Heino from your destruction!"
And she flourished the sword again with all her might, and as the
Queen made one more attempt to be off with Heino, whose right hand
she had held fast, she called out: "Heino, it will not hurt!" and came
down on his arm with one blow and cut it off close to the wrist.




The flame on the queen's forehead went out and the queen melted
away like a vision in the fog. The white dove however, that had perched
on Blueeye's shoulder, flew over and landed on Heino's.

"Now you are saved, Heino!" shouted Blueeyes, when she saw that.
"Come, it is not far to the road; muster up all your strength. See, you
are not sinking in so deep."

And they went on, but Heino often had to stop and kept saying:


    "Blueeyes, my arm hurts so!"

Then she answered:

    "Heino, I am hurting even more!"

On the last stretch she almost had to carry him, and when he finally
came clear of the swamp he was so exhausted that he fell down on the
road and fell asleep. She took her veil and tied up his arm to stop it
from bleeding.— When she saw that he was sleeping soundly she took
the ring he had given her from her finger, put it on his hand and
started off for home.


As soon as she got there she went to the old king and, looking at him
cheerfully with her big blue eyes, said: "I have saved your son; he will
soon be coming back to you. May God protect you, for you will never
see me again."

The old king embraced her and said: "Blueeyes, my daughter, you can
wear a crown as proudly as a king's child! If you are ready to forgive
him and take a one-armed person to be your husband, you should be
his queen for as long as you live."

After he said that he opened the door and in came Heino, who took
Blueeyes in his arms. There was great rejoicing in all the land and
everyone wanted to see the sweet, god-fearing girl who had saved the
King's son.

But when they stood before the altar and were about to exchange
rings Heino forgot that his right hand was missing and he stretched out
his stump to the priest. Then a miracle took place; for when the priest
touched the stump a hand grew out of it like a white flower coming out
of a brown branch. But around his wrist there was a thin red stripe, as
fine as a thread. And it stayed that way for the rest of his life.—


Translation: Charles L. Cingolani                                       Copyright © 2015   
Heino in the Swamp
by
Richard von Volkmann-Leander


Illustration: Hans von Volkmann (Son)
Reveries at French Firesides
Heino im Sumpf
von
Richard von Volkmann-Leander